Wissenschaft bestätigt Mythos

Prof. Saling berichtet über ein von der „International Academy of Perinatal Medicine“ in Osaka vom 22. bis 24. Oktober 2010 veranstaltetes „International Symposium on Fetal Neurology“; ein zunächst überraschend klingendes Thema. Wie soll am noch Ungeborenen neurologische Wissenschaft betrieben werden?

Zunächst hat es der enorme Fortschritt der Ultraschalldiagnostik ermöglicht visuell den Fetus auch hinsichtlich der Funktionen des Nervensystems im Mutterleib zu untersuchen. So werden bereits bestimmte Bewegungen, ja sogar Grimassen des Ungeborenen beobachtet und man versucht aus ihnen seinen Zustand zu interpretieren.

In Osaka wurden zahlreiche neue Aspekte in Betracht gezogen, wie man den Fetus hinsichtlich seines Nervensystems, vor allem des Gehirns, untersuchen kann.

Dort wurde unter anderem als wissenschaftlicher „Leckerbissen“, eine neue noch kaum bekannte Methode, die fetale Magneto-Enzephalo-Graphie (fMEG) vorgestellt. Sie beruht auf dem Prinzip, wo elektrische Ströme auftreten, gibt es auch Magnetfelder. Diese lassen sich neuerdings auch vom Feten ableiten. Beim  Erwachsenen sind sie ähnlich der Elektro-Enzephalo-Graphie (EEG) bereits bekannt und es werden nunmehr auch am Feten Magnetfelder vom Gehirn abgeleitet und untersucht.

Das allererste fMEG wurde mit den beiden Physikern Th. Blum und R. Bauer an unserem Institut in Berlin 1984 durchgeführt. Da es sich um eine geräte- und ausstattungsmäßig aufwendige Untersuchung handelt, mussten wir die Pläne für weitere Studien aufgeben. Dafür sind heute zwei Zentren weltweit gut vorangekommen, eines in Little Rock/Arkansas/ USA und eines in Tübingen. Die ersten Studien zeigen, dass Funktionen des Gehirns (Reaktionen auf akustische Reize) erfolgreich gemessen und beobachtet werden können, was für die Zukunft vielversprechend ist, weil die Untersuchungen nicht invasiv und ungefährlich sind.

In Osaka hat Prof. S. auch über 1984 durchgeführte Aufnahmen des akustischen Milieus im Mutterleib vorgetragen. Es ist interessant, wie laut und deutlich der Fetus seine Umgebung neben den von der Mutter selbst erzeugten Geräuschen wie Pulsationen der großen Gefäße, Darmbewegungen (Peristaltik) und anderes mehr hören kann.

Die Tonbandpräsentation hat zu einer interessanten Reaktion eines am Symposium teilnehmenden indischen, in den USA ansässigen Professoren-Kollegen geführt. Er berichtete nach dem Kongress, ihm sei ein indischer Mythos in Erinnerung: Ein werdender Vater erzählte seiner schwangeren Frau, wie er selbst als junger Mann mit großem Erfolg Feinde bekämpft hat. Als der Mann merkte, dass seine schwangere Frau eingeschlafen war, hat er die Erzählung abgebrochen. Viele Jahre später geriet sein inzwischen herangewachsener Sohn ebenfalls in Kämpfe mit Feinden. Ihm gelang es zunächst – den im Mutterleib gehörten Empfehlungen seines Vater folgend – die Feinde mit Erfolg zu bekämpfen, bis ihn dann plötzlich die gute Strategie verließ und er unterlag. Ihm fehlte der weitere Bericht seines Vaters, seine Mutter war ja eingeschlafen.

Der indische Professoren-Kollege war sehr beeindruckt, dass nach 4000 Jahren der Mythos durch die nunmehr gehörten Tonbandaufnahmen Bestätigung fand, nämlich, dass der Fetus alles mithört.

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